SORA-Mühle Schönenbühl als Starthilfe

Dieses Porträt erschien im Medaillon der Burgergemeinde Bern. (11.6.2020).

Mühe mit dem Alltag, grosse Probleme bei der Ausbildung, keine Perspektiven im Leben. Die Gründe, warum jemand in der SORA Mühle Schönenbühl mit anpackt, sind vielfältig. Seit 20 Jahren werden hier junge Menschen in schwierigen Lebensphasen begleitet. So wie Remo. Trotz massgeschneiderter Betreuung: Der «Weg zurück» ist eine Herkulesaufgabe.

«Ich kam in die Mühle – sonst hätte ich doch nichts gehabt.» Remo (Name geändert, A.d.R.) sitzt in einem Pausenraum seines jetzigen Lehrbetriebs und erzählt über seine schwierigen letzten Jahre. Jahre mit viel Leere und wenig Perspektiven. Remo ist einer von jährlich rund 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zur Mühle Schönenbühl kommen. Die abgelegene Mühle in Kriechenwil ist Teil von «SORA für junge Erwachsene und Familien». Die Institution der Burgergemeinde Bern begleitet die Jungen und deren Familien in schwierigen Zeiten, beispielsweise in der Mühle auf eng begleiteten Arbeitsplätzen. Ziel ist, dass die Jugendlichen in Beruf und Alltag wieder Fuss fassen können.

Die Mühle als Starthilfe
Fuss fassen musste auch Remo. Psychische Probleme führten zu Depressionen und dem Abbruch seiner Lehre als Polymechaniker. Es folgten Aufenthalte in einer Psychiatrie, einer Tagesklinik sowie ein Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof. Und dazwischen? Viel Leere. Er habe sich ewig in seinem Zimmer verkrochen, sagt er heute und «gekifft, getrunken und die Nacht zum Tag gemacht.»

Hier kam die Mühle Schönenbühl mit ihrem Angebot ins Spiel, den Klientinnen und Klienten als Starthilfe in ein «normales» Leben wieder Halt und Tagesstruktur zu geben. Aber ohne «Eigenleistung» geht nichts, wie Daniel Struchen, Fachmann Arbeitsintegration der Mühle, betont, der auch Remo betreute. Es gehe für die Jugendlichen darum, selbst zu bestimmen, was sie leisten wollen und können. «Gemeinsam Ziele setzen, mitdenken und sich besser kennenlernen» werde von den Klientinnen und Klienten erwartet.

Daniel Struchen betont, dass das Angebot der Mühle oft nur ein Puzzleteil auf dem Weg zu einer stabileren Lebensphase sei. Wenn überhaupt. Denn: «Häufig bringt der Aufenthalt in der Mühle allein keinen Erfolg. Er ist manchmal aber ein Faktor unter vielen, der zum Erfolg führt.» Bis sich ein Erfolg einstellt, kann es dauern: «auch mal ein bis zwei Jahre.»

«Wir können sehr individuell auf die Menschen eingehen»,

Daniel Struchen

Individuelle Betreuung möglich

Die Mühle Schönenbühl wird dieses Jahr 20 Jahre alt und kann auf eine bewegte Zeit zurückschauen. Sie steht fernab vom hektischen Stadtleben in einem kleinen Weiler bei Kriechenwil an der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Freiburg. Seit Beginn begleitet ein Team von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern im Gebäude aus dem 16. Jahrhundert die jungen Erwachsenen mit dem Ziel, für sie einen beruflichen Weg zu finden, ihnen die nötigen Kompetenzen dafür zu vermitteln und ihre eigenen Ressourcen zu stärken. Das Besondere dabei: «Wir können sehr individuell auf die Menschen eingehen», sagt Daniel Struchen. Oft sei eine Eins-zu-eins-Betreuung möglich, um Klienten optimal zu unterstützen.

Das bestätigt auch Remo: «In meinen fünf Monaten dort habe ich mich sehr selten allein gefühlt.» Zudem sei es wertvoll, geschätzt zu werden. Er habe nicht einfach nur Mehlsäcke abgefüllt. Dank seines Geschicks hat er das Silo-System mit dem angelieferten Korn so angepasst, dass die Arbeiten nun einfacher geworden sind. «Ich habe mich halt nützlich gemacht», sagt er und lächelt etwas verlegen.

«Es ist ‹cooler›, etwas zu tun, als nichts zu machen»

Heute, rund ein Jahr später, ist Remo wieder «in der Bahn». Er hat einen Lehrbetrieb gefunden, wo er seine Lehre wieder aufnehmen konnte und sie unbedingt abschliessen will. In der Mühle hat er gemerkt, «dass es viel ‹cooler› ist, etwas zu tun, als nichts zu machen.» Er weiss aber auch, dass sein Weg nicht selbstverständlich ist, dass es dazu den Support der Familie, ein Jobcoaching, die Mühle und auch etwas Glück gebraucht hat. Auch Daniel Struchen von der Mühle Schönenbühl betont dies. Die Rückkehr in ein geregeltes Leben sei für seine Klientinnen und Klienten immer ein Kampf. «Wir sind einfach ein Faktor im Reifeprozess junger Leute.» Manchmal komme es wie gewünscht, manchmal nicht. Aber wenn es funktioniere wie bei Remo, dann sei der Auftrag erfüllt. Und ein Leben wieder mit Perspektiven gefüllt.

Ein Liebeslied auf das neue Kürbismehl

Bild: Anna Boss

Ich melde mich aus der Mutterschaftscarearbeitszeit! Zu Beginn dachte ich: endlich Zeit so viel zu backen wie ich mag, zu experimentieren, zu lesen über Sauerteig und und und. Und ja, es gibt diese Zeiten da ist alles im Flow, ich versorge uns, und unsere Nachbar*innen und Freund*innen mit leckerem Brot. Doch dann gibt es auch wieder diese Durststrecken. Da falle ich abends todmüde ins Bett, als hätte ich den ganzen Tag Bäume gefällt oder im Strassenbau gearbeitet, doch irgendwas Handfestes hab ich nicht in der Hand, die Wohnung sieht aus wie Sau, das Altpapier stapelt sich meterhoch und und und… Maman fini, aber Baby und Hund sind happy, c’est la meilleure.

Doch irgendwann war mal wieder eine Mehlbestellung «nachen» und «Dänu der Müller» hat mir ein Kilo Kürbiskernbrotmehl mitgegeben. Dieses Mehl, sauerteig-geführt, ist einfach ein Gedicht. Es hat Struktur, es hat Geschmack, es ist lecker und gesund. Da sind so viele Argumente, um gleich wieder mit Backen zu beginnen, egal wie müde ich auch bin.

Das Kürbikernbrotmehl. – Bild: Mühle Schönenbühl

50 Gramm Weizenstarter (aktiv), 350 Gramm Wasser, 500 Gramm Kürbiskernbrotmehl, 10 Gramm Salz: Der Starter mit dem Wasser von Hand mischen bis es schäumt, Kürbismehl und Salz hinzugeben und grob zusammen mischen. Auf der Küchentheke etwa 1 h auf der Küchenablage zugedeckt stehen lassen. Dann wird der Teig zum ersten Mal gefaltet und zwar so oft wie es nur geht, also jedes Fitzelchen wird ein bisschen gezogen und über den Teig geschlagen. In den nächsten paar Stunden immer wieder ab und zu falten. The more the merrier. Die Hände leicht mit Wasser benetzen, dann klebt es weniger und der Teig lässt sich besser falten. Ihr merkt mit jedem Mal, wie die Glutenstränge stärker geworden sind. Also mit jedem Mal falten, lässt es sich quasi schlechter falten. Schliesslich ins wohlverdiente Bett hüpfen und den Teig zugedeckt auf der Küchenablage sich selbst überlassen.

Am nächsten Morgen zuerst einmal eine grosse Freude zeigen, wie schön sich das Teigli entwickelt hat. Dann noch einmal sachte, sachte falten und sachte, sachte auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche kippen. All diese schönen Blasen wollen ja schliesslich erhalten bleiben. Ich mache dann jeweils noch ein leichtes «shaping» mit einer starren Teigkarte. Der Teig ist eher feucht, schaut dass es überall etwas Mehl hat, damit es nicht klebt. In den bemehlten Gärkorb geben. Zudecken und ab in den Kühlschrank für min. 3 Stunden. Vorsichtig auf ein Backpapier «kehren», in den Gusseisentopf geben und einschneiden. Danach bei 250 Grad ca. 45 Min mit geschlossenem Deckel backen. Der Topf muss nicht extra vorgeheizt werden, der Backofen übrigens auch nicht. Den wunderbaren «Deckel-weg-Moment» geniessen und noch 5-10 Min. die Kruste backen.

Rezept angelehnt an Elaine’s Foodbod (do the google).

20 Jahre mehr als Mehl

Liebe Kundinnen und Kunden

Wir feiern 2020 das 20-jährige Bestehen. Seit dem Jahr 2000 existiert die Mühle Schönenbühl als Arbeitsintegrationsprojekt von SORA, einer Institution der Burgergemeinde Bern. Seit 20 Jahren verbinden wir ein wunderbares Handwerk mit einem wichtigen Sozialauftrag.

Übrigens: Die Mühle selbst existiert schon viel länger! Wann die erste Mühle zu Schönenbühl erbaut wurde, liegt im Dunkeln der Geschichte. Erstmals schriftlich erwähnt wird sie in einem Zinsrodel der Herrschaft Laupen von 1502.

Im Rahmen des Jubiläums warten wir mit einigen tollen Angeboten!

Jubiläumsmehl: Schwarzbrotmehl

Das Dunkle mit dem besonderen Röstaroma:
Bio-Knospe: Schwarzbrotmehl (1kg)
Zusammensetzung: Weizenhalbweissmehl CH,
Dinkelgraham CH, Roggenvollkorn CH,
Weizenruchmehl hell CH, Roggenmehl geröstet CH.
Kosten: 4.20 Franken
Bestellen: muehle@sora-bern.ch | 031 747 74 36 | digitales Mühli-Lädeli

Info Haferflocken fein

Unser Vorrat an CH Bio-Haferflocken fein neigt sich dem Ende zu. Daher bieten wir bis auf weiteres keine Haferflocken fein an. Die Haferernte sowie deren Verarbeitung zu Flocken zieht sich sicher bis Mitte September hin. Wir melden uns, sobald die neue Ware eingetroffen ist. Besten Dank für Ihr Verständnis!

Annas Backblog: Sauerteig

Anna Boss blogt hier unregelmässig über Mehliges

Wenn man beginnt, sich mit dem Backen mit Sauerteig auseinander zu setzen, ist man oft ein bisschen abgeschreckt. Auch erlebe ich öfter, dass mich Menschen auf mein Hobby ansprechen und dabei gleich verlauten lassen, dass das «ja so viel Aufwand ist überhaupt Anstellgut zu züchten» oder sie wegen der Fütterung der Sauerteigkultur «nicht in die Ferien reisen können».

Unappetitliches Anstellgut – einmal umrühren und füttern bitte!

Das Anstellgut wird oft fälschlicherweise bereits Sauerteig genannt. Anstellgüter (Mehrzahl tönt es irgendwie lustig) kursieren auch als «Herberts», «Hansuelis» oder sonstigen lustigen Namen überall umher. Ebenfalls haben viele Leute das Gefühl, wenn sie dann mal Sauerteigbrot backen wollen, dass sie ihr Anstellgut (auf Englisch übrigens bezeichnend «starter» genannt) selber anzüchten müssen (dauert etwa 4-5 Tage). Weshalb der Aufwand? Weshalb nicht jemanden fragen und dort eine Portion «abzwacken»? 4 Gramm Anstellgut, zusammen mit 10 Gramm lauwarmen Wasser und 10 Gramm gutem Mühle Mehl genügen und schon hat man wieder sein Triebmittel. Diese 24 Gramm reichen bereits wieder aus um einen Sauerteig hinzukriegen und damit x-beliebig viele schöne Brote zu backen. Das ist doch faszinierend! Viele Leute sind tatsächlich bereits während oder nach der Zucht des Anstellguts frustriert. Und dann das Füttern um das kostbare Güetli am Leben zu erhalten! Früher dachte ich, dass ich mindestens wöchentlich, ob ich nun Brot backe oder nicht, die Anstellgüter mit 100 Gramm Mehl füttern muss – was für eine Verschwendung! Man mutet den Dingern ein bisschen zu wenig zu, sie sind resistenter als man so denkt. Da kommt mir in den Sinn, meine letzten Brote und somit meine letzte Fütterung des Anstellguts ist bereits einen Monat her (es war schlicht zu heiss zum Backen)! Sie sollten aber jetzt schon mal wieder Nahrung kriegen, die Dinger! Worauf ich nun aber eigentlich hinaus will: wenn der Einstieg mal gemacht ist und der Wille am Ausprobieren da, lernt man immer ein Stücklein dazu. Mich selber bei diesem Lernprozess zu beobachten, finde ich fast ebenso spannend wie «der Deckel-weg-Moment» beim Backen.

Nach der Fütterung: Ein Roggen- und ein Weizenanstellgut, aktiv und glücklich.

Ps: Meine Babys heissen übrigens «Brotzillas» und ich gebe immer gerne davon ab.

Anna Boss‘ Backblog

Hallo geschätzte Mühli-Newsletter Abonnomentinnen und Back-Kolleginnen

Gerne möchte ich mich kurz vorstellen. Ich heisse Anna Boss und arbeite als Fachmitarbeiterin Soziale Arbeit in der intensiven Begleitung von jungen Frauen bei SORA für junge Erwachsene. Natürlich darf ich beruflich viel mit meinen Mühli-Kolleginnen zusammenarbeiten und war schon oft vor Ort. Doch verbindet mich noch ein anderes Element mit der Mühle. In meiner Freizeit bin ich leidenschaftliche Bäckerin. Seit ich bei SORA für Junge Erwachsene arbeite, ist es natürlich Ehrensache, dass ich nur noch das Mehl von der Mühli brauche. Und ich muss gestehen, es macht einfach doppelt grossen Spass, mit einem qualitativ so hochwertigen, tollen Produkt zu arbeiten. Erst recht, wenn man noch so nah mit den Produzentinnen zusammen arbeitet und spannendes Insiderwissen über Mahlprozesse und ähnliches aus erster Hand erfährt.

„Und ich muss gestehen, es macht einfach doppelt grossen Spass, mit einem qualitativ so hochwertigen, tollen Produkt zu arbeiten.“

Anna Boss


Seit etwa einem dreiviertel Jahr hat mich ein grosses Sauerteig-Fieber gepackt oder ich experimentiere mit langen Hefeteigführungen (meist weniger als 10 Gramm Hefe). Das Backen mit Sauerteig stellt mich immer wieder vor Herausforderungen und es ist fast schon ein bisschen eine Lebensschule. Es übt einem in Geduld, Vertrauen, Exaktheit und wahrscheinlich nochmal Geduld. Immer wieder steckt man Rückschläge ein und man zieht ein Brot aus dem Ofen, das vielleicht noch für die Dählhölzli-Tiere taugt. Aber das Geschmackserlebnis und die Freude ein gelungenes Brot in den Händen zu halten, dass an Geschmack und Schönheit einfach einzigartig ist, entschädigt wieder für vieles. Und dass man das hinkriegt mit nur drei Zutaten! Einfach faszinierend! Ein Quäntchen Verrücktheit („was, du stehst extra um 04.00 Uhr auf um deinen Teig zu „falten“?!?!) und Neugierde sind der Antrieb.
Gerne helfe ich den neuen Instagram-Account der Mühli mit meinen Backkünsten (und –reinfällen) zu bestücken und freue mich sehr, wenn man sich mit Gleichgesinnten vernetzen und austauschen kann.
Herzliche Grüsse vom Backofen
Anna

Das Rezept ist von der wunderbaren Katharina Arrigioni von besondersgut.ch

Auf dem Foto seht ihr ein Walliser Roggenbrot mit extra für mich „massgeschneidertem“ Roggenschrot (2.5 mm, zum Testen).

Letzte Lieferungen 2019 / Betriebsferien

Betriebsferien

Vom 21.12.2018 bis zum 06.01.2019 bleibt die Mühle geschlossen. Bestellungen für den Postversand können bis zum 20.12.2018 bearbeitet werden. Bestellungen welche später bei uns eintreffen werden erst wieder ab dem 06.01.2019 wie gewohnt bearbeitet.

Lieferung Raum Bern:

Bestellungen für Lieferungen können wir bis am 19.12.2018, Mittag berücksichtigen – die letzte Lieferung vor Weihnachten erfolgt am Donnerstag, 20.12.2018.

Lieferung Raum Freiburg:

Bestellungen für Lieferungen können wir bis am 18.12.2018, Mittag berücksichtigen – die letzte Lieferung vor Weihnachten erfolgt am Mittwoch, 19.12.2018.

Die Lieferdaten für 2019 sind hier aufgeschaltet.

Wir wünschen schöne Festtage.

Weihnachtszeit: Edles aus der Mühle verschenken!

Weihnachten kommt in grossen Schritten auf uns zu und die ewige Frage nach dem passenden Geschenk stellt sich von Neuem. Etwas Besonderes soll es sein – etwas Wertvolles – da bieten wir gerne Hand!

Unsere hochwertigen Bioprodukte schmecken gut. Zugleich unterstützt der Kauf unserer Produkte die Müllerei als altes Handwerk. Und dies verknüpft mit unserem arbeitsagogischen Auftrag. Mühli-Geschenke sind also etwas besonderes.

Auf Anfrage stellt das Mühli-Team aus unserem Sortiment individuelle Geschenke für Sie zusammen.

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